Webware besteht aus zwei Fadensystemen, die sich im rechten Winkel kreuzen; deshalb ist sie stabil und dehnt sich kaum, außer im schrägen Fadenlauf. Maschenware besteht aus einem einzigen Faden, der zu Reihen ineinandergreifender Schlingen geformt ist; deshalb dehnt sie sich, oft in beide Richtungen, und springt zurück. Um sie zu unterscheiden, ziehst du den Stoff quer und schaust genau hin: Webware gibt kaum nach und zeigt ein Gitter aus Fäden, Maschenware dehnt sich leicht und zeigt Reihen winziger V-förmiger Maschen.
Webware und Maschenware auf einen Blick
| Webware | Maschenware | |
|---|---|---|
| Aufbau | Kettfäden in Längsrichtung und Schussfäden in Querrichtung, die sich im rechten Winkel kreuzen | Ein durchgehender Faden, zu Maschenreihen verschlungen |
| Dehnung | Im geraden Fadenlauf kaum oder gar nicht, etwas im schrägen Fadenlauf, außer mit Elasthan | Dehnt sich quer, oft auch längs, und springt zurück |
| Schnittkanten | Fransen | Fransen nicht; Jerseykanten rollen sich ein |
| Typische Stoffe | Popeline, Batist, Leinen, Denim, Chambray, Satin | Jersey, Interlock, Rippjersey, Sommersweat, Ponte di Roma, angerauter Sweat |
| Maschinennadel | Universal, oder Microtex für feine Stoffe | Jerseynadel (Kugelspitze), oder Stretchnadel für Jersey mit Elasthan |
| Stich | Geradstich | Schmaler Zickzackstich, Stretchstich oder Overlock |
| Nahtzugabe (Sewly-Standard) | 1,5 cm | 1 cm |
| Saum | Doppelt umgeschlagen oder Blindsaum | Einfach umgeschlagen mit Zwillingsnadel oder Zickzackstich |
| Bewegungszugabe | Immer positiv | Kann null oder negativ sein |
Webware oder Maschenware erkennen: fünf schnelle Tests
- Schau dir die Oberfläche an. Zoome mit der Handykamera heran. Jersey zeigt auf der rechten Seite kleine Säulen aus V-Formen, andere Maschenware Schlingen; Webware zeigt ein Gitter aus sich kreuzenden Fäden oder die diagonalen Linien eines Köpers.
- Zieh quer daran. Maschenware dehnt sich leicht und springt zurück. Webware bewegt sich kaum.
- Zieh diagonal daran. Webware gibt im schrägen Fadenlauf nach, aber nicht im geraden. Ein Stoff, der sich in jede Richtung dehnt, ist Maschenware.
- Prüf eine Schnittkante. Webware franst zu losen Fäden aus. Single Jersey rollt sich ein: Die Längskanten rollen zur rechten Seite, die Querkanten zur linken.
- Zieh einen Faden heraus. Aus Webware kannst du gerade, einzelne Fäden von der Kante ziehen. Bei Maschenware kommt der Faden gekräuselt und wellig heraus, und eine Querkante kann sich aufribbeln oder Laufmaschen bilden wie eine Strumpfhose.
Stretch-Webware bleibt Webware
Stretch-Denim, Stretch-Baumwollsatin und Stretch-Popeline enthalten ein wenig Elasthan, meist 2 bis 5 %. Sie geben in der Breite für mehr Tragekomfort nach, fransen, bügeln und nähen sich aber wie Webware und werden mit Schnittmustern für Webware genäht. Sie dehnen sich nicht genug, um in einem Jersey-Schnittmuster Maschenware zu ersetzen.
Arten von Maschenware und wie dehnbar sie sind
Maschenware ist sehr unterschiedlich dehnbar, und Jersey-Schnittmuster sind für eine bestimmte Dehnung konstruiert. Miss sie nach: Falte den Stoff entlang einer Querlinie, halte 10 cm an ein Lineal und dehne, bis er Widerstand leistet. Reicht er bis 15 cm, beträgt die Dehnbarkeit 50 %.
| Dehnbarkeit | Beispiele | Gut für |
|---|---|---|
| Unter 25 % | Ponte di Roma, Doppeljersey, angerauter Sweat | Strukturierte Kleider, Bleistiftröcke, Sweatshirts |
| 25 bis 50 % | Baumwolljersey, Interlock, Sommersweat | T-Shirts, lockere Kleider, Jogger |
| 50 bis 75 % | Baumwolljersey mit Elasthan, Rippjersey | Körpernahe Shirts, Halsbündchen, Ärmelbündchen |
| Über 75 % | Stoffe für Sport- und Bademode | Leggings und eng anliegende Sportkleidung |
Arten von Webware
- Leinwandbindung (Popeline, Batist, Voile, Leinen, Nessel): ein Faden drüber, einer drunter. Sie sieht auf beiden Seiten gleich aus und ist am stabilsten.
- Köperbindung (Denim, Gabardine, Drill): diagonale Linien auf der Oberfläche. Sie fällt etwas weicher, kaschiert Knitterfalten und ist sehr strapazierfähig.
- Atlasbindung (Satin, Baumwollsatin): Lange flottierende Fäden sorgen für einen glatten Glanz, um den Preis, dass der Stoff beim Nähen rutscht.
Warum das für dein Schnittmuster wichtig ist
Schnittmuster sind entweder für das eine oder für das andere konstruiert. Ein Jersey-Schnittmuster hat weniger Bewegungszugabe, manchmal sogar negative Bewegungszugabe, weil sich der Stoff dehnt, um zu passen; ein Schnittmuster für Webware braucht Bewegungszugabe, damit du dich darin bewegen kannst, und eine Öffnung zum Hineinschlüpfen, etwa einen Reißverschluss, Knöpfe oder einen Schlitz. In Sewly zum Beispiel bekommt ein Oberteil mit normaler Passform aus Webware 10 cm Bewegungszugabe an der Brust, aus Jersey dagegen 5 cm, und ein körpernahes Jerseyoberteil wird 2 cm kleiner als der Körper konstruiert. Wählst du bei einem Oberteil aus Webware ohne Öffnung einen runden Ausschnitt, ergänzt Sewly einen Schlitz im Rücken, denn ein runder Ausschnitt aus Webware lässt sich nicht über den Kopf dehnen.
Beim Nähen: die wichtigsten Unterschiede
- Nadeln: Universalnadel Stärke 80 für mittelschwere Webware, Microtex für feine; Jerseynadel Stärke 75 oder 80 für Jersey, Stretchnadel für Jersey mit Elasthan.
- Stiche: Geradstich mit 2,5 mm für Webware. Für Jersey ein schmaler Zickzackstich (etwa 0,5 bis 1 mm breit, 2,5 bis 3 mm lang) oder der Stretchstich, damit die Nähte sich dehnen, ohne zu reißen.
- Versäubern: Webware franst, also versäuberst du die Kanten; Jersey braucht das nicht, auch wenn eine Overlock die Nähte sauberer macht.
- Zuschneiden: Lass Jersey beim Zuschneiden nie über die Tischkante hängen, und richte den Fadenlauf des Schnittmusters an einem Maschenstäbchen aus.
- Bügeln: Bei Jersey das Bügeleisen aufsetzen und abheben; Schieben dehnt ihn.
Den ganzen Ablauf mit Jersey, von der Nadel bis zum Saum, findest du in Jersey mit der normalen Nähmaschine nähen. Manche Schnittmuster, etwa das T-Shirt, sind nur für Jersey konstruiert.
Was passt zu deinem Projekt?
Lass das Kleidungsstück entscheiden. Wähle Webware, wenn es Struktur, klare Kanten, scharfe Bügelfalten oder einen Verschluss braucht: Röcke mit Bund und Reißverschluss, Shiftkleider, Blusen, klassisch geschnittene Shorts, Tote Bags und Schürzen. Wähle Jersey, wenn es sich ohne Verschluss überziehen lassen und jede Bewegung mitmachen soll: T-Shirts, Tanktops, Sweatshirts, Hoodies und Leggings. Manche Formen gibt es in beiden Varianten, etwa Schlupfhosen oder ein einfaches Kleid. Dann ergibt Jersey ein weicheres, sportlicheres Ergebnis und Webware ein festeres, eleganteres, solange das Schnittmuster für den gewählten Stoff konstruiert ist. Für ein erstes Projekt ist eine stabile Webware von beiden leichter zuzuschneiden und zu nähen.
Häufige Fehler
- Webware für ein Jersey-Schnittmuster: Das Teil wird zu eng und lässt sich womöglich gar nicht anziehen.
- Die Dehnung läuft in die falsche Richtung: Die größte Dehnung muss um den Körper herum verlaufen, nicht von oben nach unten.
- Jerseynähte beim Nähen gedehnt: Sie wellen sich. Lass den Transporteur den Stoff bewegen, verringere den Nähfußdruck oder nimm einen Obertransportfuß.
- Die Rücksprungkraft ignoriert: Ein Jersey, der nicht zurückspringt, beult an Knien und Ellbogen aus.
- Stretch-Webware wie Jersey behandelt: 3 % Elasthan sind Komfort, kein Ersatz für Jersey.