Um ein Kleidungsstück zu säumen, markierst du die fertige Länge, bügelst die Saumzugabe auf die linke Stoffseite, schließt die offene Kante ein oder versäuberst sie und steppst den Saum fest. Ein doppelt umgeschlagener Saum passt zu geraden oder leicht gerundeten Kanten in leichter und mittelschwerer Webware, ein Schmalsaum zu Rundungen und sehr weiten Röcken wie dem Tellerrock, und ein Blindsaum immer dann, wenn die Naht von rechts fast unsichtbar sein soll, etwa beim Bleistiftrock oder bei einer Hose.
Hier findest du die Saumzugabe, die jeder Saum braucht, alle drei Methoden Schritt für Schritt, einen Abschnitt zu Jersey und Lösungen für Säume, die nicht gelingen wollen.
Welcher Saum ist der richtige?
Welcher Saum passt, hängt von der Form der Kante, vom Gewicht des Stoffs und davon ab, wie viel Steppnaht man sehen soll.
| Saum | Saumzugabe | Ideal für | Was man von rechts sieht |
|---|---|---|---|
| Doppelt umgeschlagen | 2,5 cm | Röcke, Kleider, Oberteile und Hosen aus leichter bis mittelschwerer Webware | Eine Steppnaht |
| Schmalsaum | 1 cm | Tellerröcke, gerundete Hemdsäume, Rüschen, fließende und transparente Stoffe | Eine feine Naht dicht an der Kante |
| Blindsaum | 3 bis 5 cm | Bleistiftröcke, Hosen, mittelschwere und schwere Webware | Winzige Fadenpünktchen, kaum sichtbar |
| Jersey, einfach umgeschlagen | 2 cm | T-Shirts, Sweatshirts, Jerseykleider | Eine oder zwei Reihen dehnbarer Stiche |
Schau vorher nach, wie viel Saumzugabe dein Schnittmuster hat: 1 cm ist zu knapp für einen Blindsaum, und 5 cm sind zu tief, um sich glatt um eine Rundung zu legen. In Schnittmustern von Sewly ist die Saumzugabe schon enthalten, standardmäßig 2,5 cm bei Webware und 2 cm bei Jersey, und jede Nähanleitung nennt den Saum, den das jeweilige Kleidungsstück bekommt.
Vor dem Säumen: aushängen lassen und Länge markieren
Der Saum kommt zum Schluss, wenn alle Nähte, die ihn kreuzen, genäht, versäubert und gebügelt sind. Ein paar Minuten Vorbereitung ersparen dir später das Auftrennen.
- Schräg geschnittene Teile und Tellerröcke aushängen lassen. Häng einen Tellerrock, ein schräg geschnittenes Slipdress oder alles mit Partien im schrägen Fadenlauf 24 Stunden auf einen Bügel. Die schrägen Bereiche hängen sich aus und werden ungleichmäßig länger; säumst du zu früh, hängt der Saum eine Woche später durch.
- Probiere das Kleidungsstück an, mit den Schuhen, die du dazu tragen willst. Lass dir helfen: Jemand misst mit einem langen Lineal vom Boden aus und markiert die Länge rundum alle 10 cm mit Stecknadeln oder Kreide. Allein erledigt ein Rockabrunder mit Kreide auf einem Ständer dieselbe Arbeit.
- Saumzugabe ausgleichen. Leg das Teil flach hin, miss unterhalb deiner Markierung rundum die Saumzugabe ab und schneide an der neuen Schnittlinie entlang.
- Nahtzugaben im Saum entlasten. Bügle innerhalb der Saumzugabe die Nahtzugaben auseinander oder schneide sie auf die halbe Breite zurück, damit der umgeschlagene Saum dort, wo er sie kreuzt, flach liegt.
Doppelt umgeschlagenen Saum nähen
Beim doppelt umgeschlagenen Saum verschwindet die offene Kante in zwei Umschlägen, deshalb braucht sie keine weitere Versäuberung. Mit 2,5 cm Saumzugabe:
- Bügle rundum 1 cm auf die linke Seite um. Ein Saummaß oder ein Streifen Karton mit einer Kerbe bei 1 cm hält den Umschlag gleichmäßig.
- Schlag die Kante noch einmal 1,5 cm um, sodass die offene Kante im Bruch liegt, und bügle. Stecke oder klammere alle 10 cm.
- Stell eine Stichlänge von 2,5 bis 3 mm ein und nähe von links, 1 bis 2 mm neben der inneren Bruchkante. Beginne an einer Seitennaht, nicht in der vorderen Mitte.
- Wenn du wieder am Anfang ankommst, nähe 1 cm über die ersten Stiche hinaus, statt zu verriegeln, zieh die Fadenenden auf die linke Seite und verknote sie.
- Bügle den Saum von links und dann vorsichtig von rechts unter einem Bügeltuch.
Tipp: Bei einem ausgestellten Rock ist die offene Kante der Saumzugabe weiter als der Rock an der Stelle, an der sie nach dem Umschlagen landet, deshalb wirft der Saum Wellen. Nähe vor dem Umschlagen 6 mm von der offenen Kante einen langen Stich (4 mm) und zieh vorsichtig am Unterfaden, um die Mehrweite einzuhalten.
Schmalsaum an Rundungen nähen
Ein Schmalsaum ist fertig etwa 5 mm breit und legt sich ohne Fältchen um gerundete Kanten, deshalb ist er der Standardsaum am Tellerrock. Diese Maschinenmethode braucht 1 cm Saumzugabe und keinen Spezialfuß:
- Bügle die 1 cm Saumzugabe auf die linke Seite. An engen Rundungen bügelst du in kurzen Abschnitten und drehst das Teil dabei weiter.
- Steppe 3 mm neben dem Bruch durch beide Lagen.
- Schneide die offene Kante dicht an der Naht zurück, sodass etwa 2 mm stehen bleiben. Eine kleine, scharfe Schere, flach gehalten, schneidet am saubersten.
- Schlag die Kante noch einmal um, sodass die zurückgeschnittene Kante eingeschlossen ist und die erste Naht im Bruch verschwindet.
- Steppe genau auf der ersten Naht oder direkt daneben und bügle.
Ein Rollsaumfuß macht an leichten Stoffen in einem Durchgang einen ähnlichen Saum, braucht aber Übung an Reststücken und tut sich über Nähten schwer. Am vollen Tellerrock verzeiht die Methode mit zwei Durchgängen mehr.
Blindsaum nähen
Ein Blindsaum fasst mit jedem Stich nur ein oder zwei Fäden des Oberstoffs, sodass du von rechts winzige Pünktchen oder gar nichts siehst. Er braucht eine tiefere Saumzugabe von 3 bis 5 cm und passt zu mittelschwerer und schwerer Webware.
Mit der Nähmaschine
- Versäubere die offene Kante mit Zickzackstich oder Overlock (siehe Nähte ohne Overlock versäubern) und bügle die Saumzugabe auf die linke Seite.
- Falte den Saum zurück zur rechten Seite des Kleidungsstücks, sodass etwa 5 mm der versäuberten Kante über den Bruch hinausstehen. Stecke quer zum Bruch.
- Setz den Blindstichfuß ein und wähle den Blindstich: ein paar Geradstiche, gefolgt von einem breiten Zickzackstich.
- Nähe mit der versäuberten Kante unter dem Fuß und dem Bruch an der Führung des Fußes entlang, sodass die Geradstiche in der Saumzugabe landen und der Zickzackstich den Bruch gerade eben erwischt.
- Klapp den Saum auf und bügle ihn flach. Sind die Stiche zu deutlich zu sehen, stell die Führung so ein, dass weniger vom Bruch gefasst wird.
Von Hand
Bügle den Saum hoch und stecke ihn fest. Arbeite mit Staffierstich oder Hexenstich: Nimm ein oder zwei Fäden des Oberstoffs auf und führe die Nadel dann etwa 1 cm weit im Bruch oder unter der Kante der Saumzugabe entlang. Lass den Faden locker, denn straffe Handstiche ziehen Dellen in den Stoff. Das dauert länger als mit der Maschine, ergibt aber auf Wolle und Seide das schönste Ergebnis.
Und bei Jersey?
Jersey franst nicht, ein einfacher Umschlag reicht also. Bügle 2 cm hoch und steppe mit Zwillingsnadel, schmalem Zickzackstich oder dem Stretchstich deiner Maschine, damit der Saum sich mit dem Stoff dehnen kann; ein normaler Geradstich reißt, sobald du das Teil zum ersten Mal über den Kopf ziehst. Wie du einen welligen Saum stabilisierst, steht in Jersey mit der normalen Nähmaschine nähen.
Häufige Fehler beim Säumen und wie du sie behebst
| Problem | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Der Saum wellt sich oder steht ab | Der Stoff wurde unter dem Nähfuß gedehnt, oft an schrägen Kanten und bei Jersey | Stichlänge auf 3 mm erhöhen, Nähfußdruck verringern oder einen Obertransportfuß nehmen, dann den Saum mit Dampf wieder in Form bringen |
| Eine Seite ist länger | Länge von der Taille statt vom Boden aus gemessen | Angezogen neu vom Boden aus markieren und den zu langen Teil neu säumen |
| Fältchen an einem runden Saum | Saumzugabe zu tief für die Rundung | Saumzugabe auf 1 cm zurückschneiden und einen Schmalsaum nähen oder die Mehrweite mit einem langen Stich einhalten |
| Die Blindstiche sind zu sehen | Der Zickzackstich greift zu weit in den Bruch | Führung so einstellen, dass der Stich nur ein oder zwei Fäden fasst, und Garn in der Farbe des Stoffs nehmen |
| Beulen, wo Nähte den Saum kreuzen | Nahtzugaben liegen dick gefaltet im Saum | Innerhalb der Saumzugabe auseinanderbügeln oder auf die halbe Breite zurückschneiden |
| Die Naht läuft vom Bruch weg | Von rechts genäht, ohne den Bruch zu sehen | Von links nähen und dabei den inneren Bruch im Blick behalten oder einen Kantenfuß als Führung verwenden |
Bügeln gehört dazu
Bügeln ist die halbe Miete bei einem guten Saum. Bügle jeden Umschlag, bevor du ihn nähst, bügle den fertigen Saum mit Dampf, und setz das Bügeleisen auf und heb es wieder ab, statt es zu schieben, denn Schieben dehnt die Kante. Auf dunklen Stoffen, Wolle und Synthetik nimmst du ein Bügeltuch, damit keine glänzenden Stellen entstehen.