Für eine gerade Naht steckst du die beiden Teile rechts auf rechts zusammen, legst ihre Kanten an die 1,5-cm-Markierung auf der Stichplatte deiner Maschine und nähst mit 2,5 mm Stichlänge, wobei du die Stoffkante an dieser Markierung im Blick behältst, nicht die Nadel. Verriegle an jedem Ende mit drei oder vier Stichen. Um eine Ecke zu nähen, hältst du mit der Nadel unten genau auf dem Eckpunkt an, hebst den Nähfuß, drehst den Stoff, senkst den Fuß und nähst weiter.

Die Schnittteile in Größe EU 38 / US 6, gezeichnet von der Konstruktions-Engine von Sewly (Nahtzugaben inklusive). Kissenhülle →

Die Maschine einstellen

  • Nadel: eine Universalnadel 80 für mittelschwere Baumwolle und Leinen, 70 für Batist und Voile, 90 oder eine Jeansnadel für Denim und Canvas. Setz eine neue ein, wenn du nicht mehr weißt, wann du sie zuletzt gewechselt hast.
  • Garn: ein gutes Universalnähgarn aus Polyester, oben und unten dasselbe.
  • Stich: Geradstich, Stichlänge 2,5 mm. Bei sehr feinen Stoffen und Rundungen 2 mm, bei dicken Lagen 3 mm.
  • Test: Näh eine Naht durch zwei Lagen eines Rests deines Stoffs. Beide Seiten sollten gleich aussehen, ohne Schlaufen und ohne Kräuseln. Wenn nicht, findest du in den Nähmaschinen-Grundlagen alles zu Einfädeln und Fadenspannung.

Deine Nahtführung finden

Die Nahtzugabe ist der Abstand zwischen Stoffkante und Naht. Viele Schnitte für Webware arbeiten mit 1,5 cm; Sewly-Schnitte verwenden standardmäßig 1,5 cm bei Webware und 1 cm bei Jersey und zeichnen die Nahtlinie auf jedem Teil gestrichelt ein, sodass du siehst, wo sie verläuft.

Sieh dir die Stichplatte aus Metall rechts neben der Nadel an: Eingravierte Linien markieren Abstände zur Nadel, oft in Millimetern und in Achtelzoll. Such die, die du brauchst. Fehlt sie, misst du 1,5 cm von der Nadel ab und klebst dort einen Streifen Malerkrepp auf, so lang wie möglich, damit die Stoffkante schon weit vor dem Fuß daran entlangläuft. Magnetische Nahtführungen sind ebenfalls praktisch, aber schau in die Bedienungsanleitung, bevor du einen Magneten an eine computergesteuerte Maschine setzt.

Eine gerade Naht nähen, Schritt für Schritt

  1. Rechts auf rechts stecken. Leg zuerst die Enden und die Knipse aufeinander, dann stecke dazwischen alle 8 bis 10 cm, Nadeln im rechten Winkel zur Kante, Köpfe zu dir.
  2. Den Stoff ausrichten. Leg die Kante an die Führungslinie, die Nadel etwa 1 cm unterhalb der oberen Kante.
  3. Die Fäden halten. Halte bei den ersten Stichen beide Fadenenden locker hinter dem Fuß fest. So werden sie nicht nach unten gezogen und verknäueln sich nicht unter dem Stoff.
  4. Fuß senken und verriegeln. Näh drei oder vier Stiche vorwärts, drei oder vier rückwärts bis zur oberen Kante, dann wieder vorwärts. Das sichert die Naht. Siehe Verriegeln.
  5. Führen, nicht schieben. Leg deine Hände flach auf den Stoff, vor und links neben den Fuß. Lass den Transporteur den Stoff durchziehen; deine Hände lenken nur. Behalte Stoffkante und Führungslinie im Blick, nicht die Nadel.
  6. Stecknadeln herausziehen, bevor sie den Fuß erreichen. Über Stecknadeln zu nähen kann die Nähnadel verbiegen oder abbrechen und die Naht aus der Linie bringen.
  7. Abschließen. Verriegle an der unteren Kante mit drei oder vier Stichen rückwärts, näh wieder vorwärts bis zur Kante, heb Nadel und Fuß und zieh den Stoff nach hinten weg. Schneide die Fäden ab und lass etwa 1 cm stehen.
  8. Bügeln. Bügle die Naht zuerst so flach, wie sie genäht ist, um die Stiche einzubetten, dann von links auseinander oder zu einer Seite, wie es der Schnitt angibt.

Wie nähe ich eine Ecke?

  1. Markiere den Drehpunkt mit einem Punkt 1,5 cm von beiden Kanten, dort, wo sich die beiden Nahtlinien kreuzen. Bei Schnitten mit eingezeichneter Nahtlinie, wie denen von Sewly, ist das die Ecke der gestrichelten Linie.
  2. Näh auf die Ecke zu und werde auf den letzten 2 cm langsamer. Dreh für die letzten ein, zwei Stiche das Handrad von Hand, damit die Nadel genau auf der Markierung einsticht.
  3. Heb mit der Nadel unten im Stoff den Nähfuß an.
  4. Dreh den Stoff um die Nadel, bis die nächste Kante an der Nahtführung liegt.
  5. Senk den Fuß und näh weiter.
  6. Bevor du das Teil auf rechts wendest, schneidest du die Ecke schräg ab, 3 mm neben der Naht, damit die Spitze scharf herauskommt statt klumpig.

Für eine sehr spitze Ecke, etwa an einer Kragenspitze oder einem Bindeband, nähst du statt einer einzigen Drehung ein oder zwei kurze Stiche quer über die Ecke. Das lässt innen Platz für die Nahtzugaben und ergibt nach dem Wenden eine schärfere Spitze.

Wie nähe ich eine Rundung?

Verkürze den Stich auf 2 mm, näh langsam und dreh den Stoff allmählich, sodass die Kante immer denselben Abstand zur Führung hat. Bei engen Rundungen hältst du alle paar Stiche mit der Nadel unten an, hebst den Fuß, drehst ein wenig und senkst ihn wieder. Danach schneidest du die Nahtzugabe ein oder kerbst sie aus, damit die Rundung flach liegt: gerade Einschnitte bei nach innen gewölbten Rundungen, kleine Keile bei nach außen gewölbten, jeweils 2 mm vor der Naht aufhören.

Bügeltemperaturen nach Faser

Jede Naht zu bügeln, bevor eine andere sie kreuzt, ist die halbe Miete für ein Kleidungsstück, das professionell aussieht.

FaserBügeleinstellungDampfHinweise
LeinenDrei Punkte, etwa 200 °C, oder die LeinenstufeVielLeicht feucht bügeln
BaumwolleDrei Punkte, etwa 200 °CJaBei dunklen Farben Bügeltuch gegen Glanz
WolleZwei Punkte, etwa 150 °CJaImmer mit Bügeltuch
Seide, ViskoseZwei Punkte, etwa 150 °CWenigBügeltuch, von links
Polyester, PolyamidEin Punkt, etwa 110 °CKaumErst testen: Synthetik kann schmelzen oder glänzend werden

Übungen

  • Zeichne gerade Linien im Abstand von 1,5 cm auf Papier und näh ohne Faden in der Nadel darauf entlang. Die Löcher zeigen dir genau, wie gerade du nähst.
  • Zeichne eine eckige Spirale auf Papier oder einen Stoffrest und näh sie ab, mit einer Drehung an jeder Ecke.
  • Näh zwei Stücke Streifenstoff entlang eines Streifens zusammen.
  • Näh eine Kissenhülle: vier gerade Nähte und vier Ecken, und am Ende etwas, das du wirklich benutzt.

Häufige Fehler und Lösungen

  • Die Naht wandert. Du schaust auf die Nadel. Achte auf die Stoffkante an der Führung und näh langsamer; das Tempo kommt später.
  • Ein Fadennest am Anfang. Der Nähfuß war beim Start oben, oder die Fadenenden wurden nicht gehalten. Schneide das Nest von unten heraus, fädle den Oberfaden bei angehobenem Fuß neu ein und beginne noch einmal, diesmal mit gehaltenen Fäden.
  • Gekräuselte Naht. Stich zu kurz für den Stoff oder Fadenspannung zu hoch. Verlängere auf 2,5 bis 3 mm und teste an einem Rest.
  • Die Lagen enden ungleich. Die obere Lage schiebt sich nach vorn. Stecke öfter, reduziere den Nähfußdruck, wenn deine Maschine das erlaubt, oder nimm einen Obertransportfuß.
  • Fehlstiche. Stumpfe oder falsche Nadel. Wechsle sie und prüfe, ob sie ganz nach oben geschoben ist, bei den meisten Haushaltsmaschinen mit der flachen Seite nach hinten.
  • Stoff wird ins Stichloch gezogen. Dünner Stoff wird am Anfang nach unten gedrückt. Beginne 1 cm von der Kante entfernt, oder starte auf einem kleinen gefalteten Reststück und näh direkt von dort auf deine Naht.

Sind deine Nähte gerade, versäuberst du die offenen Kanten, damit sie nicht ausfransen: siehe Nähte versäubern ohne Overlock.