Ein gutes erstes Nähprojekt ist klein, besteht aus geraden Nähten und wird aus einer stabilen, mittelschweren Baumwolle genäht: eine Stofftasche, ein Kissenbezug, eine Schürze oder ein Rock mit Gummizug. Bevor du nähst, bereitest du alles gründlich vor: Stoff waschen und bügeln, Schnittmuster drucken und prüfen, im Fadenlauf zuschneiden, Markierungen übertragen und die Maschine an Stoffresten testen. Die Checkliste unten folgt genau dieser Reihenfolge, von der Wahl des Projekts bis zum letzten Bügeln.

Die meisten Enttäuschungen beim ersten Projekt kommen von einem übersprungenen Vorbereitungsschritt, nicht vom Nähen selbst. Hake deshalb jeden Punkt ab, bevor du zum nächsten gehst.

1. Ein Projekt wählen, das du auch fertig bekommst

Wähle etwas, das du wirklich benutzen möchtest, das du in ein oder zwei Sitzungen fertig nähen kannst und bei dem du jeweils nur ein oder zwei neue Techniken lernst.

ProjektWas du lernstUngefähre Nähzeit
ScrunchieEinen Schlauch nähen, wenden, Gummiband einziehen30–60 Minuten
KissenbezugGerade Nähte, Ecken, Hotelverschluss1–2 Stunden
StofftascheGerade Nähte, Henkel, abgenähte Bodenecken2–3 Stunden
SchürzeSäume, Bänder, Absteppen2–3 Stunden
Gekräuselter Rock mit GummizugKräuseln, Tunnelzug, Saum3–4 Stunden
Shorts mit GummizugSchrittnaht, Tunnelzug für das Gummiband, Säume3–5 Stunden

Ein Schnittmuster für eine Stofftasche ist ein klassisches erstes Projekt, weil jede Naht gerade ist und die Passform keine Rolle spielt. Nahtverdeckte Reißverschlüsse, eingesetzte Ärmel, Knopflöcher und dehnbaren Jersey hebst du dir für dein zweites oder drittes Projekt auf. Mehr Ideen findest du unter Nähen für Anfänger.

2. Einen gutmütigen Stoff wählen

  • Kaufen: mittelschwere Baumwoll-Webware wie Popeline, Patchworkstoff, Chambray oder ein Baumwoll-Leinen-Gemisch; für Taschen Baumwollcanvas oder Köper.
  • Vorerst meiden: rutschige Stoffe (Satin, Viskose, Chiffon), dehnbaren Jersey, sehr dicke Stoffe sowie Karos oder Streifen, die an den Nähten exakt aufeinandertreffen müssen.
  • Den Stoffverbrauch prüfen, den das Schnittmuster für deine Stoffbreite angibt, meist 110, 140 oder 150 cm. Kauf etwas mehr, wenn der Stoff wahrscheinlich einläuft.
  • Passendes Garn kaufen: Allesnäher aus Polyester, eine Nuance dunkler als der Stoff, wenn du keinen exakt passenden Farbton findest.

3. Das Werkzeug zusammenstellen

Du brauchst eine Nähmaschine, eine Stoffschere, eine kleine Fadenschere, Stecknadeln, ein Maßband, ein Lineal, einen Nahttrenner, ein Markierwerkzeug (Kreide oder einen auswaschbaren Stift), ein Bügeleisen und ein Bügelbrett. Unsere Liste mit dem wichtigsten Nähzubehör erklärt, worauf du bei jedem Teil achten solltest. Für ein PDF-Schnittmuster kommen eine Papierschere und Klebeband dazu.

4. Den Stoff vorbereiten

  1. Wasche und trockne den Stoff so, wie du später das fertige Stück waschen wirst. Baumwolle und Leinen laufen bei der ersten Wäsche oft ein; die Anleitung zum Vorwaschen von Stoff erklärt die Ausnahmen.
  2. Bügle alle Falten heraus, auch den Mittelbruch vom Stoffballen.
  3. Begradige die Schnittkanten, sodass sie im rechten Winkel zur Webkante stehen, der festen Kante an beiden Längsseiten des Stoffs.

5. Das Schnittmuster vorbereiten

  1. Drucke das Schnittmuster mit 100 % und miss das Testquadrat, bevor du alle Seiten druckst.
  2. Klebe die Seiten zusammen und schneide deine Schnittteile aus.
  3. Lies die Teileliste mit der Zuschnittanzahl und prüfe, ob du alle Teile hast.
  4. Lies die gesamte Anleitung einmal von Anfang bis Ende, bevor du zuschneidest.

6. Zuschneiden und markieren

  1. Falte den Stoff der Länge nach, Webkante auf Webkante, rechts auf rechts, sofern der Zuschnittplan nichts anderes vorgibt.
  2. Lege jedes Teil so auf, dass sein Fadenlaufpfeil parallel zur Webkante liegt: Miss von beiden Enden des Pfeils bis zur Webkante und verschiebe das Teil, bis beide Abstände gleich sind.
  3. Lege Teile mit dem Vermerk „im Stoffbruch“ exakt an den Bruch.
  4. Fixiere die Teile mit Gewichten oder Stecknadeln und schneide mit langen, gleichmäßigen Schnitten auf der durchgezogenen Schnittlinie.
  5. Schneide Knipse etwa 3 mm tief in die Nahtzugabe und markiere Punkte mit Kreide auf der linken Stoffseite.

7. Die Maschine testen

Nähe ein paar Linien auf einer doppelten Lage Reststoff von deinem eigentlichen Stoff. Nimm einen Geradstich mit etwa 2,5 mm Stichlänge und prüfe, ob die Stiche auf beiden Seiten gleich aussehen. Ist die Maschine neu für dich, arbeite zuerst die Nähmaschinen-Grundlagen durch.

Such dir außerdem die 1,5-cm-Linie auf der Stichplatte. Das ist die übliche Nahtzugabe bei Webware, und wenn du sie gleichmäßig einhältst, stimmt am Ende auch die Größe.

8. Der Reihe nach nähen und zwischendurch bügeln

  1. Stecke die Teile rechts auf rechts zusammen, Knips auf Knips, mit Nadeln quer zur Kante.
  2. Verriegle am Anfang und Ende jeder Naht mit drei oder vier Stichen.
  3. Zieh jede Stecknadel heraus, bevor sie unter die Nähnadel kommt.
  4. Bügle jede Naht, bevor eine andere Naht sie kreuzt: erst flach, so wie genäht, dann auseinander oder zu einer Seite.
  5. Versäubere offene Kanten mit Zickzackstich, bevor sie im nächsten Schritt eingeschlossen werden.

9. Fertigstellen

Säume, schneide alle Fadenenden ab und bügle das ganze Stück zum Schluss noch einmal, mit einem Bügeltuch, wenn du auf der rechten Stoffseite bügelst. Und dann benutze es: Das erste Tragen oder Waschen verrät dir viel darüber, was du beim nächsten Mal anders machen willst.

Zeit einplanen

Verteile das Projekt lieber auf mehrere kurze Sitzungen als auf eine lange. Eine sinnvolle Aufteilung für eine Stofftasche oder einen Rock: eine Sitzung zum Waschen, Bügeln und Drucken; eine zum Zusammenkleben des Schnittmusters, Zuschneiden und Markieren; eine oder zwei zum Nähen und Bügeln. Hör auf, wenn du müde bist: Die meisten Fehler, etwa ein verkehrt herum angenähtes Teil oder zwei zugeschnittene linke Ärmel, passieren am Ende eines langen Tages. Unterbrich die Arbeit an einer Stelle, an der der nächste Schritt klar ist, zum Beispiel bei einer fertig gesteckten Naht; so fällt dir der Wiedereinstieg leicht.

Die Checkliste auf einen Blick

  • Projekt gewählt, ohne Reißverschluss, Jersey oder eingesetzten Ärmel
  • Mittelschwere Webware und passendes Garn gekauft
  • Stoff gewaschen, getrocknet und gebügelt
  • Schnittmuster mit 100 % gedruckt und Testquadrat geprüft
  • Teile im Fadenlauf zugeschnitten, Knipse und Punkte markiert
  • Maschine an Resten desselben Stoffs getestet
  • Nähte mit gleichmäßiger Nahtzugabe genäht und laufend gebügelt
  • Kanten versäubert, Säume genäht, abschließend gebügelt

Typische Fehler beim ersten Projekt

  • Das Vorwaschen auslassen. Das fertige Stück läuft bei der ersten Wäsche ein. Wasche alles vor, was du später waschen wirst.
  • Nicht im Fadenlauf zuschneiden. Die Seitennähte drehen sich nach dem Waschen nach vorne. Miss den Abstand vom Fadenlaufpfeil zur Webkante an beiden Enden.
  • Wackelige Nahtzugaben. Nähst du an beiden Seitennähten eines Rocks 1 cm zu tief, wird er rundherum 4 cm enger. Achte auf die Markierung auf der Stichplatte, nicht auf die Nadel.
  • Am Stoff ziehen. Lass den Transporteur den Stoff bewegen; deine Hände führen nur.
  • Nicht bügeln. Ungebügelte Nähte liegen nie flach. Bügle nach jeder Naht.
  • Über Stecknadeln nähen. Dabei kann sich die Nadel verbiegen oder abbrechen. Zieh jede Stecknadel heraus, sobald du sie erreichst.
  • Mit einem schwierigen Stoff anfangen. Rutschiger oder dehnbarer Stoff macht aus einem einfachen Projekt ein frustrierendes. Heb ihn dir für später auf.