Um einen Halsausschnitt oder ein Armloch mit Schrägband zu versäubern, nähst du einen im 45-Grad-Winkel zum Fadenlauf geschnittenen Stoffstreifen an die offene Kante und wendest ihn dann entweder ganz nach innen, als schmalen Beleg, oder legst ihn um die Kante, sodass er als Einfassung sichtbar bleibt. Ein Streifen im schrägen Fadenlauf gibt nach und lässt sich biegen, deshalb folgt er einer Rundung glatt, wo ein gerader Streifen Falten werfen würde. Streifen von 3,5 bis 4 cm Breite reichen für die meisten Ausschnitte und Armlöcher.
Diese Anleitung zeigt, wie du eigene Streifen zuschneidest und verbindest, beide Methoden Schritt für Schritt, wie du das Band sauber schließt und was hilft, wenn ein eingefasster Ausschnitt wellt oder nach außen klappt.
Schrägbandbeleg oder Einfassung: Was soll es werden?
| Schrägbandbeleg (nach innen gewendet) | Einfassung (sichtbar) | |
|---|---|---|
| Von außen zu sehen | Eine Steppnaht etwa 8 mm von der Kante | Ein schmaler Streifen Schrägband, oft aus Kontraststoff |
| Nahtzugabe an der Kante | Bleibt: Das Band wird auf der Nahtlinie angenäht | Wird abgeschnitten: Das Band umschließt die Nahtlinie |
| Streifenbreite | 4 cm bei 1 cm Nahtzugabe | 3,5 cm für eine 8 mm breite Einfassung |
| Typischer Einsatz | Ärmellose Oberteile und Kleider, Blusen ohne Kragen | Slipdresses, Schürzen, Kinderkleidung, transparente Stoffe |
| Schwierigkeit | Leichter | Braucht beim zweiten Durchgang eine ruhige Hand |
Egal, wofür du dich entscheidest: Nähe an den Rundungen gleich nach dem Zuschneiden eine Formnaht, also eine Reihe normaler Stiche 3 mm innerhalb der Nahtlinie, in dem Bereich, den Band oder Nahtzugabe später verdecken. Sie verhindert, dass sich der Ausschnitt beim Hantieren ausdehnt, und genau das ist die Hauptursache für einen abstehenden Ausschnitt.
Schrägstreifen zuschneiden und verbinden
Fertiges Schrägband funktioniert, aber Streifen aus deinem eigenen Stoff passen farblich und fallen genauso wie das Kleidungsstück.
- Falte eine Ecke des Stoffs so, dass die quer geschnittene Kante an der Webkante liegt. Der Bruch ist der echte schräge Fadenlauf, im 45-Grad-Winkel zu beiden.
- Bügle den Bruch leicht, schneide daran entlang und zeichne mit einem langen Lineal und Kreide Linien in deiner Streifenbreite parallel zur Schnittkante.
- Schneide die Streifen mit der Schere oder dem Rollschneider zu. Für jede Öffnung brauchst du die Länge der Kante plus 5 cm.
- Verbinde Streifen mit einer diagonalen Naht: Leg zwei Enden rechts auf rechts im rechten Winkel aufeinander, wie ein L, und nähe von Ecke zu Ecke quer über das Quadrat, in dem sie sich überlappen. Die Diagonale verteilt das Volumen; eine gerade Verbindung ergibt einen Knubbel.
- Schneide die Nahtzugabe auf 6 mm zurück, bügle sie auseinander und schneide die kleinen Spitzen ab, die über den Streifen hinausstehen.
- Bügle den Streifen so, wie deine Methode es verlangt, ohne daran zu ziehen: Hitze und ein wenig Zug machen ihn schmaler und schwieriger zu nähen.
Als Richtwert: Ein Stoffquadrat von 50 cm ergibt, einmal verbunden, etwa 5 m Streifen von 4 cm Breite, genug für Ausschnitt und Armlöcher mehrerer Oberteile. Der Schrägband-Rechner ermittelt das nötige Quadrat für jede Länge und Breite.
Methode 1: Schrägbandbeleg, nach innen gewendet
So sind die meisten ärmellosen Oberteile sauber versäubert: Von außen siehst du nur eine Steppnaht. Die Regel für die Breite ist einfach: Schneide den Streifen so breit wie die doppelte Nahtzugabe plus die doppelte fertige Breite. Bei 1 cm Nahtzugabe und 1 cm fertiger Breite sind das 4 cm.
Hinweis: Hat dein Schnittmuster an dieser Kante 1,5 cm Nahtzugabe, schneide sie vorher auf 1 cm zurück oder schneide 5 cm breite Streifen. Sonst bleibt nach dem Annähen zu wenig Band übrig, um es mit der Steppnaht zu fassen.
- Schließe die Schulternähte und für die Armlöcher auch die Seitennähte, sodass die Kante einen geschlossenen Ring bildet. Bügle die Nähte auseinander.
- Bügle den Streifen der Länge nach zur Hälfte, links auf links.
- Beginne dort, wo die Verbindung später nicht auffällt: an der hinteren Schulter für den Ausschnitt, an der Seitennaht unter dem Arm für ein Armloch. Schlag die ersten 1 cm des Streifens nach innen um.
- Stecke den Streifen auf die rechte Seite des Kleidungsstücks, offene Kanten aufeinander. An nach innen gewölbten Rundungen wie Ausschnitt und Armloch ziehst du das Band beim Stecken ganz leicht an, sodass es am Ende eine Spur kürzer ist als die Kante: So wird die fertige Kante eingehalten und liegt am Körper an.
- Nähe mit 1 cm Abstand. Wenn du wieder am Anfang bist, leg das Ende 1,5 cm über den umgeschlagenen Anfang und schneide den Rest ab.
- Schneide die Nahtzugabe auf 5 mm zurück und knipse sie an der engsten Stelle der Rundung alle 1,5 cm ein, ohne die Naht zu verletzen.
- Bügle Band und Nahtzugaben vom Kleidungsstück weg und steppe unter: Nähe 2 mm neben der Naht durch das Band und beide Nahtzugaben. So rollt sich das Band nicht nach außen.
- Wende das Band ganz auf die linke Seite, roll die Naht dabei 1 bis 2 mm nach innen und bügle mit Dampf.
- Steppe von rechts etwa 8 mm von der Kante ab und kontrolliere innen, dass du die Bruchkante des Bandes mitfasst.
Methode 2: sichtbare Einfassung
- Schneide die Nahtzugabe an der Kante ab, sodass die offene Kante jetzt die fertige Ausschnittlinie ist. Der Ausschnitt behält seine Größe, weil das Band die Nahtlinie umschließt, statt innen angenäht zu werden.
- Mach aus einem 3,5 cm breiten Streifen doppelt gefaltetes Schrägband: der Länge nach zur Hälfte bügeln, wieder öffnen, beide Längskanten zum Mittelbruch bügeln und nochmals zur Hälfte falten. Lass eine Seite etwa 1 mm breiter als die andere.
- Öffne die breitere Seite und stecke sie mit ihrer rechten Seite auf die linke Seite des Kleidungsstücks, offene Kanten aufeinander; an nach innen gewölbten Rundungen ziehst du wie bei Methode 1 leicht an.
- Nähe im Bügelbruch, etwa 8 mm von der Kante.
- Leg das Band um die Kante auf die rechte Seite, sodass seine Bruchkante die erste Naht um etwa 1 mm überdeckt. Stecke es fest oder fixiere es mit einem wasserlöslichen Klebestift.
- Steppe von rechts knappkantig ab, 1 bis 2 mm neben der Bruchkante des Bandes, und bügle.
Weil du den ersten Durchgang von links nähst, entsteht die sichtbare Naht, also die knappkantige Steppnaht, genau dort, wo du beim Nähen hinschaust.
Die Enden sauber verbinden
Für eine ganz flache Verbindung an einer geschlossenen Kante lässt du am Anfang und am Ende 5 cm offen, klappst die Streifen auf, legst sie übereinander, markierst, wo sie sich treffen, und nähst sie mit einer diagonalen Naht zusammen, bevor du die Annähnaht zu Ende nähst. Die einsteigerfreundliche Alternative ist das Einfassen in der Fläche: Nähe das Band an den Ausschnitt, bevor du eine Schulternaht schließt (bei einem Armloch eine Seitennaht), nähe diese Naht dann gerade über die Bandenden hinweg und hefte die Nahtzugabe von Hand fest.
Und bei Jersey-Ausschnitten?
Jersey wird anders eingefasst. Der Streifen wird quer zum Stoff geschnitten, in Richtung der größten Dehnung statt schräg, und etwa 10 % kürzer als der Ausschnitt, damit er die Kante zusammenzieht. Beim Annähen wird er gleichmäßig gedehnt, mit einem schmalen Zickzackstich oder einem Stretchstich. Die ganze Methode findest du in Jersey mit der normalen Nähmaschine nähen.
Häufige Probleme und wie du sie löst
- Das Band rollt sich nach außen. Es wurde nicht untergesteppt, oder die Naht wurde beim Bügeln nicht nach innen gerollt. Steppe unter und bügle dann noch einmal von innen.
- Der Ausschnitt wellt sich oder steht vom Körper ab. Die Kante hat sich beim Nähen gedehnt, oder das Band wurde ganz ohne Spannung angenäht. Trenne auf, nähe eine Formnaht, dämpfe die Kante wieder in Form und nähe das Band an den nach innen gewölbten Rundungen etwas straffer an.
- Das Band legt Fältchen oder kräuselt sich. Es wurde zu stark gezogen oder an einer nach außen gewölbten Rundung gezogen, wo es stattdessen eingehalten werden muss. Trenne den gekräuselten Abschnitt auf und nähe ihn mit weniger Spannung neu.
- Die Rückseite der Einfassung ist nicht gefasst. Beide Hälften des Bandes waren gleich breit. Mach die hintere Hälfte 1 mm breiter und stecke oder hefte vor dem Absteppen.
- Ein Knubbel an der Verbindung. Die Streifen wurden gerade verbunden oder zu weit überlappt. Verbinde diagonal und schneide auf 6 mm zurück.
- Zu wenig Band zum Absteppen. Der Streifen war für die Nahtzugabe zu schmal. Halte dich an die Regel: doppelte Nahtzugabe plus doppelte fertige Breite.