Um einen Ärmel ohne Falten einzusetzen, nähst du zwei Reihen langer Stiche über die Armkugel zwischen den Knipsen, legst die Knipse aufeinander (einfach nach vorn, doppelt nach hinten, die Spitze der Armkugel auf die Schulternaht) und ebenso Ärmel- und Seitennaht und ziehst dann vorsichtig an den Unterfäden, bis die Armkugel ins Armloch passt; die Mehrweite verteilst du über den oberen Teil der Armkugel. Dämpfe sie ein, stecke dicht und näh langsam mit der vollen Nahtzugabe.

Die Schnittteile in Größe EU 38 / US 6, gezeichnet von der Konstruktions-Engine von Sewly (Nahtzugaben inklusive). Blusenshirt / Bluse →

Warum ist die Armkugel größer als das Armloch?

Die gewölbte Oberkante des Ärmels, die Armkugel, ist etwas länger konstruiert als das Armloch, in das sie eingesetzt wird. Diese zusätzliche Länge, die Einhaltweite, gibt dem Ärmel Platz über der Rundung der Schulter und dem Oberarm. Bei Webware beträgt sie typischerweise 1 bis 3 cm.

Sewly konstruiert jede Armkugel passend zu ihrem Armloch: Die Armkugel entspricht der Armlochlänge plus 2,5 cm Einhaltweite bei einem figurnahen Ärmel, 1,8 cm bei einem normalen, 1,2 cm bei einem lockeren und 0,6 cm bei einem Oversize-Ärmel. Jerseyärmel bekommen gar keine Einhaltweite, weil sich der Stoff anpasst.

Einhalten heißt, die längere Kante ohne Falten an die kürzere anzupassen. Die Mehrweite wird so fein verteilt, dass sie in einer glatten, runden Armkugel verschwindet.

Linker Ärmel, rechter Ärmel: die Knipse lesen

Ärmel werden gegengleich zugeschnitten, und die Rückseite jedes Ärmels ist mit einem doppelten Knips gekennzeichnet, die Vorderseite mit einem einfachen. Bei Sewly-Schnitten sitzt der einfache Knips 7,5 cm und der doppelte 8,5 cm über dem Unterarmpunkt, und ein Knips oben an der Armkugel zeigt, wo sie auf die Schulternaht trifft. Die Armlöcher haben passende Knipse: einfach am Vorderteil, doppelt am Rückenteil. Leg doppelt auf doppelt, dann kann ein Ärmel nicht verkehrt herum hineinkommen.

Zwei Methoden: rund oder flach

MethodeWannReihenfolge
Rund eingesetztÄrmel aus Webware mit Einhaltweite, PuffärmelZuerst Seitennähte und Ärmelnähte schließen, dann den Ärmelschlauch ins Armloch einsetzen
Flach eingesetztJersey, überschnittene Schultern, lockere Ärmel mit wenig EinhaltweiteÄrmel ins offene Armloch nähen, dann Seitennaht und Ärmelnaht in einem Zug schließen

Die flache Methode geht schneller und wird in den Nähanleitungen für Sewlys T-Shirt und Sweatshirt verwendet. Die runde Methode gibt dir mehr Kontrolle über die Einhaltweite und wird für die Oberteile und Kleider aus Webware verwendet.

Einen Ärmel rund einsetzen

  1. Das Oberteil vorbereiten. Schließ Schulter- und Seitennähte, versäubere sie und bügle sie auseinander.
  2. Den Ärmel vorbereiten. Schließ die Ärmelnaht, versäubere sie und bügle sie auseinander. Prüfe, ob die Knipse markiert sind.
  3. Einhaltefäden in die Armkugel nähen. Stell einen langen Geradstich von 4 bis 5 mm ein und lockere die Oberfadenspannung etwas. Bei 1,5 cm Nahtzugabe nähst du eine Reihe 1 cm und eine zweite 2 cm von der Kante entfernt, vom vorderen Knips über die Armkugel bis zum hinteren Knips, und lässt 10 cm lange Fadenenden stehen. Nicht verriegeln. Die Naht verläuft später zwischen den beiden Reihen, so entstehen keine winzigen Fältchen.
  4. Den Ärmel einsetzen. Wende das Oberteil auf links und lass den Ärmel auf rechts. Schieb den Ärmel ins Armloch, sodass die rechten Seiten aufeinanderliegen und die offenen Kanten bündig sind.
  5. Die Passpunkte aufeinanderlegen. Stecke die Ärmelnaht auf die Seitennaht, den oberen Knips auf die Schulternaht, den einfachen Knips auf den vorderen Armlochknips und die doppelten Knipse hinten aufeinander.
  6. Die Mehrweite einhalten. Zieh die beiden Unterfäden von beiden Enden aus nach und nach an, bis die Armkugel ins Armloch passt. Verteile die Mehrweite über den oberen Teil der Armkugel zwischen den Knipsen, mit etwas mehr um den Schulterpunkt. Der Unterarmbereich unterhalb der Knipse wird überhaupt nicht eingehalten.
  7. Die Mehrweite eindämpfen. Nimm den Ärmel heraus, leg die Armkugel über ein Bügelei oder das schmale Ende eines Ärmelbretts und dämpfe den eingehaltenen Bereich, während du ihn zu einer glatten Kuppel klopfst. Wolle und Leinen lassen sich wunderbar eindämpfen, Baumwolle ganz ordentlich, Polyester kaum. Nimm etwa 150 °C mit Bügeltuch für Wolle, 200 °C für Baumwolle und Leinen, 110 °C für Synthetik.
  8. Dicht stecken. Setz den Ärmel wieder ein und stecke rund um die Armkugel alle 2 cm, Nadeln im rechten Winkel zur Kante. Bei rutschigem oder schwierigem Stoff heftest du stattdessen von Hand.
  9. Nähen. Beginne mit 2,5 mm Stichlänge am Unterarm und näh mit 1,5 cm Nahtzugabe zwischen den beiden Einhaltereihen. Viele nähen mit dem Ärmel oben, um entstehende Fältchen zu sehen und glattzustreichen; hat die Armkugel viel Mehrweite, probier es mit dem Ärmel unten, auf dem Transporteur, der beim Einhalten hilft. Näh langsam und halte mit der Nadel unten an, wann immer du etwas zurechtrückst.
  10. Von rechts kontrollieren. Such nach Fältchen oder Falten. Findest du eine, trenn 5 cm drumherum auf, verteile die Mehrweite neu und näh diesen Abschnitt noch einmal.
  11. Den Unterarm verstärken. Näh eine zweite Reihe 6 mm neben der ersten innerhalb der Nahtzugabe, unter dem Arm von Knips zu Knips. Schneide die Nahtzugabe am Unterarm auf 1 cm zurück und versäubere die Kanten zusammen mit Zickzack.
  12. Die sichtbare Einhaltereihe entfernen und bügeln. Zieh die Reihe bei 2 cm heraus, die auf der Seite des Kleidungsstücks liegt. Bügle die Nahtzugabe über dem Bügelei zum Ärmel hin, und zwar nur die Nahtzugabe. Bügle die Armkugel selbst nie flach.

Einen Ärmel flach einsetzen

  1. Schließ die Schulternähte und bügle sie.
  2. Leg das Oberteil flach mit der rechten Seite nach oben und den Ärmel rechts auf rechts aufs Armloch, oberen Knips auf die Schulternaht.
  3. Stecke die Armkugel von der Mitte nach außen ans Armloch und leg dabei vordere und hintere Knipse sowie die Enden am Unterarm aufeinander.
  4. Näh mit der Nahtzugabe: Geradstich bei Webware, mit dem Ärmel unten, wenn etwas Mehrweite da ist; schmaler Zickzack oder Stretchstich bei Jersey, bei Sewly-Jerseyschnitten mit 1 cm.
  5. Bügle die Naht bei Webware zum Ärmel hin; bei Jersey bügelst du sie vorsichtig zum Rumpf oder lässt sie, wie sie ist.
  6. Schließ Seitennaht und Ärmelnaht in einem durchgehenden Zug und leg die Armlochnähte am Unterarm genau aufeinander.

Häufige Fehler und Lösungen

  • Kleine Falten oben an der Armkugel. Zu viel Mehrweite an einer Stelle. Trenn auf, verteile neu und dämpfe vor dem nächsten Nähen ein; achte darauf, dass die Naht zwischen den beiden Einhaltereihen verläuft.
  • Die Armkugel passt trotzdem nicht. Manche Stoffe, vor allem Polyester und dicht gewebte Baumwolle, nehmen wenig Mehrweite auf. Senke für das nächste Mal die Armkugel auf dem Schnitt um bis zu 1 cm ab, zu den Knipsen hin auslaufend, und prüf das an einem Probemodell.
  • Der Ärmel dreht nach vorn oder hinten. Er sitzt im falschen Armloch, oder die Knipse wurden nicht aufeinandergelegt. Tausch die Ärmel, doppelten Knips nach hinten.
  • Diagonale Zugfalten von der Armkugel aus. Armkugelhöhe oder Ärmelwinkel passen nicht zu deinem Arm. Das ist eine Passformfrage: Teste den Ärmel an einem Probemodell und pass ihn dort an.
  • Die Einhaltefäden reißen. Nimm ein reißfestes Polyestergarn als Unterfaden, zieh von beiden Enden und zieh behutsam.

Ein Oberteil aus Webware mit kurzen Ärmeln, etwa der Schnitt Oberteil / Bluse aus Webware, eignet sich gut für den ersten eingesetzten Ärmel.