Übertrage die Markierungen direkt nach dem Zuschneiden, solange das Papier noch auf dem Stoff festgesteckt ist. Knipse jede Knipsmarke 3 mm tief in die Nahtzugabe ein, stich bei jedem Punkt eine Stecknadel durch und markiere beide Lagen auf der linken Seite mit Kreide oder einem auswaschbaren Stift, und zieh die Abnäherschenkel mit dem Lineal von der Kante bis zur Spitze nach. Bei Stoffen, auf denen Kreide nicht hält, nimmst du Fadenschlingen: lockere Fadenschlaufen, die durch beide Lagen genäht werden.
Welche Markierungen müssen übertragen werden?
- Knipse an der Schnittlinie: Passpunkte zwischen Teilen, Anfang und Ende von Tascheneingriffen und Reißverschlüssen, vorne und hinten am Ärmel. Siehe Knipsmarke.
- Punkte: Abnäherspitzen, Drehpunkte an Ecken, Anfang und Ende von Kräuselungen, Faltenmarkierungen.
- Abnäherschenkel: die beiden Linien von der Kante zur Spitze. Bei Sewly-Schnitten ist die Spitze mit einem Punkt markiert, und bei Rock- und Brustabnähern endet jeder Schenkel außerdem an einem Knips an der Schnittlinie.
- Platzierungslinien: Taschenpositionen, Knopflöcher und Knöpfe, die vordere Mitte, die Umbruchlinie eines angeschnittenen Belegs.
- Rechte und linke Seite, und der Name jedes Teils, wenn mehrere gleich aussehen.
Markiermethoden im Vergleich
| Methode | Am besten für | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| 3 mm tief einknipsen | Knipse bei den meisten Stoffen | Nie tiefer als die halbe Nahtzugabe |
| Dreiecke nach außen | Knipse bei ausfransenden Stoffen | Werden leicht versehentlich abgeschnitten |
| Schneiderkreide oder Kreidestift | Punkte und Abnäherschenkel auf Baumwolle, Leinen, Wolle | Wachskreide kann auf heller Seide einen Fettfleck hinterlassen |
| Wasserlöslicher Trickmarker | Helle Baumwollstoffe | Erst testen; manche Tinten werden durch Bügeln dauerhaft |
| Hitzelöschbarer Stift | Schnelle Markierungen auf Baumwolle | Markierungen können in der Kälte zurückkommen und auf dunklem Stoff eine helle Linie hinterlassen |
| Kopierrädchen und Kopierpapier | Lange Abnäherschenkel, viele Markierungen auf festen Stoffen | Gezackte Rädchen können bei feinen Stoffen Fäden ziehen |
| Fadenschlingen | Seide, Wolle, transparente und strukturierte Stoffe | Langsamer; Schlingen fallen bei grobem Umgang heraus |
| Heftlinie (von Hand geheftet) | Linien, die auf der rechten Seite sichtbar sein müssen | Langsam, aber völlig sicher |
Teste jeden Markierstift an einem Rest deines Stoffs: markieren, bügeln, auswaschen oder entfernen und bei Tageslicht ansehen.
Wie markiere ich Knipse?
- Lass das Papier festgesteckt. Knipse mit der Scherenspitze an jeder Knipsmarke gerade durch alle Lagen ein, 3 mm tief. Bei 1,5 cm oder 1 cm Nahtzugabe ist das unbedenklich.
- Bei doppelten Knipsen machst du zwei getrennte Einschnitte. Fasse sie nicht zu einem breiten Schnitt zusammen.
- Bei stark ausfransenden Stoffen schneidest du stattdessen ein kleines Dreieck nach außen oder markierst den Knips mit Kreide auf der Nahtzugabe.
- Markiere auch die Bruchkanten: Ein winziger Einschnitt oben und unten an jeder Stoffbruchkante zeigt dir später die vordere und hintere Mitte.
Wie markiere ich Abnäher und Punkte?
- Stich an der Abnäherspitze eine Stecknadel senkrecht durch Papier und beide Lagen.
- Heb das Papier um die Nadel herum an oder trenne die Stofflagen leicht und setze auf der linken Seite jeder Lage einen kleinen Kreidepunkt, wo die Nadel eintritt.
- Knipse dort ein, wo die Abnäherschenkel auf die Kante treffen.
- Nimm das Papier ab und zieh auf der linken Seite jeder Lage mit dem Lineal eine gerade Linie von jedem Schenkelknips zur Spitzenmarkierung. Diese Linie ist deine Nählinie.
- Bei einem Doppelabnäher markierst du beide Spitzen und die breiteste Stelle jedes Schenkels und verbindest sie mit dem Lineal.
Mit dem Kopierrädchen legst du Schneiderkopierpapier zwischen Schnittmuster und Stoff, die farbige Seite zur linken Stoffseite, und fährst mit dem Rädchen entlang eines Lineals die Abnäherschenkel ab. Für ein Paar legst du ein zweites Blatt unter die untere Lage, farbige Seite nach oben, damit beide Teile die Linien bekommen.
Wie nähe ich Fadenschlingen?
- Fädle einen langen doppelten Faden in Kontrastfarbe in eine Handnähnadel ein. Mach keinen Knoten.
- Stich am Punkt einen kleinen Stich durch das Papier und beide Stofflagen und zieh den Faden durch, sodass ein Ende von 2,5 cm stehen bleibt.
- Mach an derselben Stelle einen zweiten Stich und lass eine Schlaufe von etwa 2,5 cm Höhe stehen. Schneide den Faden ab, sodass wieder ein Ende von 2,5 cm bleibt.
- Reiß das Papier vorsichtig über der Schlinge ab.
- Zieh die beiden Lagen leicht auseinander und schneide die Fäden zwischen ihnen durch. Jede Lage hat jetzt ein Fadenbüschel genau an der richtigen Stelle.
Platzierungslinien auf der rechten Seite markieren
Taschenpositionen und Knopflöcher sieht man von der rechten Seite, deshalb markierst du sie dort mit einer entfernbaren Methode: einer Heftlinie (lange Vorstiche entlang der Linie), einer Kreidelinie, die die Tasche später verdeckt, oder einem wasserlöslichen Stift nach einem Test. Bei Knopflöchern markierst du jede Position und ihre Länge. Auf Sewly-Schnitten ist ein Knopfloch als Linie mit einem kurzen Querstrich an jedem Ende gezeichnet, so lang wie das Knopfloch, und ein Knopf als kleiner offener Kreis.
Jersey und rutschige Stoffe markieren
Jersey hält Einschnitte schlecht: Ein in Jersey geschnittener Knips kann aufreißen oder verschwinden, wenn sich die Kante einrollt. Markiere Knipse bei Jersey mit einem kurzen Kreidestrich auf der Nahtzugabe oder mit einer Stecknadel, und Punkte mit einem wasserlöslichen Stift. Bei rutschigen Stoffen wie Viskose, Satin und Seide verschieben sich die Lagen, sobald du das Papier anhebst – markiere also, solange das Papier noch liegt: Fadenschlingen durch beide Lagen, oder an jedem Punkt eine senkrecht durchgestochene Nadel, bevor sich irgendetwas bewegt.
Die Teile beschriften
Bevor das Papier abkommt, klebst du auf die linke Seite jedes Stoffteils ein Stück Malerkrepp mit seinem Namen („Vorderteil“, „Rückenteil links“, „Ärmel“). Bei Stoffen, deren Seiten gleich aussehen, malst du zusätzlich ein Kreidekreuz auf die linke Seite jedes Teils. Das bewahrt dich davor, spätabends einen Ärmel verkehrt herum einzunähen.
Werden Markierungen durch Bügeln dauerhaft?
Hitze kann manche Markierungen fixieren. Bügle Nähte mit der passenden Einstellung für die Faser, etwa 200 °C für Baumwolle und Leinen, 150 °C für Wolle, Seide und Viskose, 110 °C für Synthetik, aber bügle nicht direkt über wasserlösliche Tinte und Wachskreide, bevor du sie entfernt hast. Hitzelöschbare Stifte sind dafür gemacht, unter dem Bügeleisen zu verschwinden – genau deshalb solltest du sie nie für Markierungen verwenden, die du noch brauchst.
Häufige Fehler und Lösungen
- Zu tief eingeknipst. Einschnitte tiefer als die halbe Nahtzugabe schwächen die Naht und können bis zur Steppnaht ausfransen. Bügle vor dem Nähen ein kleines Quadrat Einlage auf der linken Seite darüber.
- Nur eine Lage markiert. Dem zweiten Teil eines Paars fehlt der Abnäher. Steck die beiden zugeschnittenen Teile genau aufeinander, stich Nadeln durch die Markierungen des ersten und markiere das zweite.
- Tinte, die nicht herausgeht. Hör auf, darüberzubügeln. Probier es mit kaltem Wasser und etwas Seife und lass alles trocknen, bevor du wieder bügelst.
- Markierungen vor dem Nähen abgerieben. Kreide verblasst beim Hantieren. Markiere möglichst kurz vor dem Nähen, oder nimm bei langen Projekten Fadenschlingen.
- Papier schon entfernt. Leg es wieder aufs Teil, richte die Schnittlinien aus, stecke fest und markiere neu.
Als Nächstes nähst du deine Abnäher oder die ersten Nähte. Wenn du nachschlagen willst, was jedes Symbol bedeutet, lies Schnittmuster lesen.