Ein Schnittteil ist eine Landkarte für ein Teil deines Kleidungsstücks. Die durchgezogene äußere Linie ist die Schnittlinie, die gestrichelte Linie innen die Nahtlinie, der lange Pfeil mit zwei Spitzen zeigt den Fadenlauf, der parallel zur Webkante liegen muss, und die kleinen Zeichen an den Kanten (Knipsmarken) und im Teil (Punkte, Abnäher) zeigen dir, wie alles zusammengehört. Lies zuerst die Beschriftung, dann die Linien, dann die Zeichen – dann überrascht dich nichts mehr auf dem Bogen.
Dieser Ratgeber folgt den Symbolen, die Sewly auf seine Schnittmuster zeichnet, am Bildschirm und im gedruckten PDF. Sie entsprechen den Konventionen der meisten Papier- und PDF-Schnitte; verwendet ein gekaufter Schnitt ein Symbol anders, findest du in seiner Anleitung eine Legende. Wirf vor dem Zuschneiden einmal einen Blick darauf.
Welche Zeichen gibt es auf einem Schnittmuster?
| Symbol | So sieht es aus | Das machst du |
|---|---|---|
| Schnittlinie | Durchgezogene äußere Linie | Daran entlang schneiden |
| Nahtlinie | Gestrichelte Linie innerhalb der Schnittlinie | Darauf nähen |
| Fadenlauf | Gerade Linie mit Pfeilspitze an beiden Enden | Parallel zur Webkante legen |
| Stoffbruch | Klammer mit Pfeilen zu einer Kante, beschriftet mit IM STOFFBRUCH | Diese Kante an die gefaltete Stoffkante legen |
| Knipsmarke | Kurzer Strich von der Schnittlinie ins Teil hinein | Auf die Knipsmarke des Gegenstücks legen |
| Doppelte Knipsmarke | Zwei kurze Striche nebeneinander | Kennzeichnet die Rückseite des Kleidungsstücks |
| Punkt | Kleiner gefüllter Kreis | Übertragen: Abnäherspitzen, Drehpunkte, Passpunkte |
| Abnäher | Zwei gestrichelte Schenkel, die sich an einem Punkt treffen | Falten und von der Kante bis zum Punkt nähen |
| Knopfloch | Linie mit einem kurzen Querstrich an jedem Ende | Ein Knopfloch in dieser Länge nähen |
| Knopf | Kleiner offener Kreis | Hier einen Knopf annähen |
Schnittlinie und Nahtlinie
Die durchgezogene äußere Linie ist die Schnittlinie. Alles zwischen ihr und der gestrichelten Nahtlinie ist die Nahtzugabe, der Rand, der später innen in der fertigen Naht verschwindet. Bei Sewly-Schnitten ist die Nahtzugabe bereits enthalten: standardmäßig 1,5 cm bei Webware und 1 cm bei Jersey, mit mehr Zugabe an Säumen und Tunnelzügen. Weil beide Linien eingezeichnet sind, siehst du immer genau, wo die Naht verläuft – das hilft vor allem an Rundungen und Ecken.
Viele gekaufte Mehrgrößenschnitte drucken nur die Schnittlinien, ineinander verschachtelt, und nennen die Nahtzugabe in der Anleitung. Die Nahtlinie gibt es dann nur in Gedanken: Du führst die Stoffkante an der passenden Markierung auf der Stichplatte deiner Maschine entlang. Prüfe vor dem Zuschneiden jedes Schnitts zwei Dinge: ob die Nahtzugabe enthalten ist und wie breit sie ist.
Hinweis: Säume haben meist eine breitere Zugabe als Nähte, bei Sewly-Schnitten standardmäßig zum Beispiel 2,5 cm bei Webware und 2 cm bei Jersey. Die gestrichelte Linie am Saum zeigt die fertige Länge.
Der Fadenlaufpfeil
Die gerade Linie mit einer Pfeilspitze an jedem Ende ist der Fadenlauf. Er zeigt dir, wie das Teil auf dem Stoff liegt: Die Linie muss parallel zur Webkante verlaufen, also zur festen, gewebten Längskante des Stoffs, die nicht ausfranst. In welche Richtung die Pfeile zeigen, ist egal; entscheidend ist, dass beide Enden gleich weit von der Webkante entfernt sind.
Zum Auflegen misst du von einem Ende des Pfeils bis zur Webkante, dann vom anderen Ende, und verschiebst das Teil, bis beide Maße übereinstimmen. Ein Teil, das auch nur leicht schief zum Fadenlauf zugeschnitten ist, kann sich nach der ersten Wäsche um den Körper drehen – die eine Minute für diese Kontrolle lohnt sich also. Bei Jersey verläuft der Pfeil entlang der Maschenstäbchen (der feinen senkrechten Maschenreihen), sodass die größte Dehnung rund um den Körper geht.
Manche Teile tragen zusätzlich zum Pfeil einen Hinweis: „Im schrägen Fadenlauf zuschneiden (45°)“ bei Schrägstreifen oder „Dehnung in Längsrichtung“ bei Hals- und Ärmelbündchen aus Jersey.
Im Stoffbruch
Eine Klammer mit Pfeilen zu einer Kante, beschriftet mit IM STOFFBRUCH, bedeutet: Diese Kante kommt genau an die gefaltete Kante des Stoffs. Du schneidest durch beide Lagen und erhältst beim Aufklappen ein symmetrisches Teil, doppelt so breit wie das Papier. Eine Bruchkante hat keine Nahtzugabe – füge also keine hinzu – und zwischen Papier und Bruch darf kein Spalt bleiben: 5 mm Abstand werden zu 1 cm zusätzlicher Breite.
Verwechsle das nicht mit einer Umbruchlinie, einer langen Strich-Punkt-Linie innerhalb eines Teils. Sie zeigt, wo der Stoff nach dem Zuschneiden auf sich selbst zurückgeklappt wird, etwa bei einer geknöpften Vorderkante mit angeschnittenem Beleg oder beim Schlitz eines Bleistiftrocks.
Knipsmarken: einfach und doppelt
Knipsmarken, kurz Knipse, sind kurze Striche, die an der Schnittlinie beginnen und ins Teil zeigen. Sie bringen zwei Kanten zusammen, die aneinandergenäht werden: Knips der vorderen Seitennaht auf Knips der hinteren Seitennaht, Ärmelknips auf Armlochknips. Außerdem markieren sie, wo etwas beginnt oder endet, zum Beispiel ein Tascheneingriff oder das untere Ende eines Reißverschlusses.
Nach gängiger Konvention steht ein einfacher Knips für vorne und ein doppelter für hinten. Am Ärmel kommt der einfache Knips ans vordere Armloch, der doppelte ans hintere, und ein Knips oben an der Armkugel trifft auf die Schulternaht. Bei Sewly-Ärmeln sitzt der vordere Knips 7,5 cm und der hintere Doppelknips 8,5 cm über dem Unterarmpunkt, sodass du links und rechts auch ohne Papier noch unterscheiden kannst. Manche Schnitte verwenden zusätzlich dreifache Knipse für eine dritte Nahtart; das Prinzip bleibt dasselbe.
Punkte, Abnäher und Linien im Teil
Ein Punkt ist ein Passzeichen: die Spitze eines Abnähers, die Ecke, an der du beim Nähen drehst, das Ende eines gekräuselten Abschnitts oder der Anfang einer Falte. Übertrage jeden Punkt, bevor du das Papier abnimmst.
Ein Abnäher erscheint als zwei gestrichelte Schenkel, die an der Kante beginnen und sich an einem Punkt treffen, der Spitze. Bei Sewly-Rockabnähern und -Brustabnähern markiert zusätzlich ein Knips an der Schnittlinie, wo jeder Schenkel auf die Kante trifft. Ein Doppelabnäher, der an beiden Enden spitz zuläuft und an der Taille von taillierten Kleidern und Oberteilen sitzt, ist als schmale Raute mit einem Punkt an jedem Ende gezeichnet.
Linien im Inneren mit anderen Strichmustern haben eigene Aufgaben: Eine lang-kurz gestrichelte Linie markiert die vordere Mitte, eine gepunktete Linie zeigt, wo gekräuselt wird oder ein Gummiband sitzt, und eine Linie längs durch die Mitte eines Hosenbeins markiert Fadenlauf und Bügelfalte.
Die Beschriftung lesen
Jedes Teil hat etwa in der Mitte eine Beschriftung. Lies sie vor allem anderen:
- Der Name: Vorderteil, Rückenteil, Ärmel, Taschenbeutel, Kapuze.
- Wie oft zuschneiden: „1× im Stoffbruch“ (ein symmetrisches Teil), „2× gegengleich“ (ein linkes und ein rechtes Teil, die du durch Zuschneiden durch zwei Stofflagen erhältst), „4× paarweise gegengleich“ (zwei linke und zwei rechte, etwa bei Taschenbeuteln für Nahttaschen).
- Ein Hinweis: „Zur Hälfte mit Einlage verstärken“, „Im schrägen Fadenlauf zuschneiden (45°)“, „Dehnung in Längsrichtung“.
Große, schlichte Rechtecke (Bundstreifen, Bindebänder, gekräuselte Rockbahnen) werden oft gar nicht gedruckt. Sewly listet sie mit ihren Zuschnittmaßen auf, sodass du sie mit Lineal und Kreide direkt auf den Stoff zeichnest – das spart Papier und Klebeband.
Einen neuen Schnitt lesen, Schritt für Schritt
- Drucke den Schnitt aus und miss vor allem anderen das Testquadrat nach (bei Sewly-Schnitten 5 cm bzw. 2 Zoll). Stimmt es nicht, passt danach nichts mehr.
- Gleiche die Teileliste mit den vorhandenen Teilen ab und notiere, wie oft jedes zugeschnitten wird.
- Lies jede Beschriftung und schreib die Größe oder den Namen des Maßprofils aufs Papier, wenn du den Schnitt wiederverwenden willst.
- Suche auf jedem Teil den Fadenlauf und eventuelle Stoffbruchkanten.
- Markiere Knipse und Punkte mit Textmarker, damit du sie beim Zuschneiden nicht übersiehst.
- Sieh dir den Zuschneideplan für deine Stoffbreite an und plane, welche Teile in den Stoffbruch kommen.
- Übertrage die Markierungen nach dem Zuschneiden, bevor du das Papier entfernst.
Häufige Fehler und wie du sie behebst
- Auf der Nahtlinie geschnitten. Jede Naht wird 3 cm enger, 1,5 cm pro Teil. Hast du noch nicht genäht, schneide neu zu; hast du schon genäht, nähe mit 3 mm Nahtzugabe und nimm eine engere Passform in Kauf, oder verwende die Teile für ein kleineres Kleidungsstück.
- Doppelte Knipse übersehen. Die Ärmel sitzen verkehrt herum und drehen nach vorn. Trenne sie heraus, tausche linken und rechten Ärmel und lege Doppelknips auf Doppelknips.
- Fadenlauf nach Augenmaß. Das Kleidungsstück hängt schief. Nach dem Zuschneiden hilft eigentlich nur, das Teil neu zuzuschneiden – miss also an beiden Enden.
- Nahtzugabe doppelt hinzugefügt. Enthält ein Schnitt die Zugabe bereits und du gibst noch etwas dazu, wird alles pro Naht um 3 cm weiter. Lies vor dem Zuschneiden, was der Schnitt dazu angibt.
- Spalt am Stoffbruch. Das Teil wird breiter als konstruiert. Schieb das Papier direkt an den Bruch und stecke diese Kante zuerst fest.
- Markierungen mit dem Papier verloren. Abnäherspitzen und Punkte verschwinden, sobald du die Nadeln löst. Leg das Papier wieder aufs Teil, richte die Schnittlinien aus und markiere neu.
Wenn die Symbole sitzen, kommt der nächste Schritt: die Teile auf den Stoff legen. Lies dazu Stoff im Fadenlauf auflegen und zuschneiden.