Wähle die Größe eines Schnittmusters nach deinen Körpermaßen, nie nach der Größe, die du im Laden kaufst. Vergleiche Brust-, Taillen- und Hüftweite mit der Maßtabelle des Schnittmusters, nimm für Oberteile und Kleider die Brustweite und für Röcke und Hosen die Hüftweite und lass die Größen ineinander übergehen, wo deine Maße in verschiedene Spalten fallen. Bräuchtest du drei oder mehr Größen, nimmt dir ein Schnittmuster nach Maß, das aus deinen eigenen Maßen konstruiert wird, die Wahl ganz ab.
Warum deine Konfektionsgröße der falsche Ausgangspunkt ist
Konfektionsgrößen unterscheiden sich von Marke zu Marke und von Land zu Land, und viele sind über die Jahre größer geworden. Schnittmuster folgen ihren eigenen Maßtabellen, deshalb stellen viele Nähende fest, dass ihre Schnittmustergröße eine oder zwei Größen über ihrer Konfektionsgröße liegt. Die Zahl auf einem Etikett sagt nichts aus, solange du nicht die Maße vergleichst.
EU-, US- und UK-Größen zählen außerdem unterschiedlich. In der Damentabelle von Sewly ist die US-Größe die EU-Größe minus 32 und die UK-Größe die EU-Größe minus 28; EU 38 entspricht also US 6 und UK 10. Der Größenrechner fürs Nähen rechnet zwischen den Systemen um.
Schritt 1: Maße nehmen
Miss mindestens Körpergröße, Brust-, Taillen- und Hüftweite und folge dabei der Anleitung Körpermaße richtig nehmen. Trag, was du unter dem Kleidungsstück tragen wirst, und halte das Maßband waagerecht und anliegend.
Schritt 2: Deine Maße in der Tabelle finden
Nimm die Maßtabelle mit den Körpermaßen des Schnittmusters, nicht die Fertigmaße des Kleidungsstücks (Schritt 4 erklärt den Unterschied). Zur Orientierung findest du hier die Körpermaße hinter den Standard-Damengrößen von Sewly:
| EU | US | UK | Brustweite (cm) | Taillenweite (cm) | Hüftweite (cm) |
|---|---|---|---|---|---|
| 32 | 0 | 4 | 76 | 60 | 85 |
| 34 | 2 | 6 | 80 | 64 | 89 |
| 36 | 4 | 8 | 84 | 68 | 93 |
| 38 | 6 | 10 | 88 | 72 | 97 |
| 40 | 8 | 12 | 92 | 76 | 101 |
| 42 | 10 | 14 | 96 | 80 | 105 |
| 44 | 12 | 16 | 100 | 84 | 109 |
| 46 | 14 | 18 | 106 | 90 | 115 |
| 48 | 16 | 20 | 112 | 96 | 121 |
| 50 | 18 | 22 | 118 | 102 | 127 |
| 52 | 20 | 24 | 124 | 108 | 133 |
| 54 | 22 | 26 | 130 | 114 | 139 |
Die Abstände betragen bis EU 44 jeweils 4 cm, danach 6 cm. Die Herrengrößen:
| Größe | Brustweite (cm) | Taillenweite (cm) | Hüftweite (cm) |
|---|---|---|---|
| XS | 86 | 74 | 90 |
| S | 92 | 80 | 95 |
| M | 98 | 86 | 100 |
| L | 104 | 92 | 105 |
| XL | 110 | 98 | 110 |
| XXL | 116 | 104 | 115 |
| 3XL | 122 | 110 | 120 |
Kindergrößen richten sich nach dem Alter, von 2 Jahren (92 cm Körpergröße) bis 14 Jahren (164 cm Körpergröße). Alle Tabellen mit jedem einzelnen Maß findest du auf der Seite Größentabellen.
Schritt 3: Das Maß wählen, auf das es beim Kleidungsstück ankommt
- Oberteile, Kleider und Jacken: Wähle nach der Brustweite, denn Schultern und Ausschnitte lassen sich am schwersten ändern. Ist deine Brust für deinen Körperbau deutlich voller, als die Tabelle annimmt, kann eine nach der Brustweite gewählte Größe an den Schultern zu breit sein; wähle dann nach der Oberbrustweite und mach eine FBA (Full Bust Adjustment), also eine Anpassung, die nur über der Brust Weite hinzufügt.
- Röcke, Hosen und Shorts: Wähle nach der Hüftweite. Die Taille lässt sich leichter anpassen als die Hüfte, mit Abnähern, Gummiband oder über die Seitennähte.
- Kleidung mit Gummizug in der Taille: Wähle nach der Hüftweite, denn der Bund muss sich über die Hüfte ziehen lassen.
- Weite und Oversize-Schnitte: Sie haben reichlich Weite; liegst du zwischen zwei Größen, passt meist die kleinere.
- Hüte: Wähle nur nach dem Kopfumfang.
Schritt 4: Die Fertigmaße prüfen
Fertigmaße sind die Maße des Kleidungsstücks selbst. Der Unterschied zwischen Fertigmaß und Körpermaß ist die Bewegungszugabe: der Raum für Bewegung und für den Stil. Ist die fertige Brustweite 14 cm größer als deine, ist das Oberteil bewusst weit geschnitten; das ist kein Grund, eine Größe kleiner zu nähen.
Um dir die Passform vorzustellen, leg dir ein Maßband in der Länge des Fertigmaßes um den Körper oder vergleiche das Maß mit einem Kleidungsstück, das du hast und magst.
Schritt 5: Zwischen Größen übergehen
Kaum ein Körper passt genau in eine Spalte. Bei einem Mehrgrößenschnitt sind die Größen ineinander verschachtelt, sodass du entlang eines Schnittteils von einer Größe zur anderen wechseln kannst: zum Beispiel Größe 40 an der Brust, 42 an der Taille und 44 an der Hüfte.
- Markiere auf jedem Schnittteil deine Größe an Brust, Taille und Hüfte.
- Verbinde die Markierungen mit einer weichen Linie über mindestens 10 cm, nie mit einer scharfen Stufe.
- Gleiche die zugehörigen Teile genauso an (Vorder- und Rückenteil, Belege, Bund, Taschenteile), damit die Nähte weiterhin zusammenpassen.
- Leg die Teile entlang der Nahtlinien aneinander und prüfe, ob die Knipse noch übereinstimmen.
Schritt 6: Die Längen prüfen
Schnittmustergrößen gehen von einer bestimmten Körpergröße aus. Die Damengrößen von Sewly sind für 168 cm konstruiert, die Herrengrößen für 178 cm; viele gekaufte Schnittmuster rechnen mit ähnlichen Körpergrößen. Bist du deutlich kleiner oder größer, passe vor dem Zuschneiden die Längen von Oberteil, Ärmel und Rock oder Hose an, anhand deiner Rückenlänge, Armlänge und Schrittlänge.
Oder ganz ohne Größen: nach Maß
Ein Schnittmuster nach Maß wird aus deinen eigenen Maßen konstruiert; es gibt keine Spalte zu wählen und nichts zu verbinden. In Sewly kannst du eine Standardgröße wählen (Damen EU 32–54, US 0–22, UK 4–26; Herren XS–3XL; Kinder 2–14 Jahre) oder deine Maße eingeben. Körpergröße, Brust-, Taillen- und Hüftweite genügen für den Anfang: Die übrigen Maße stammen aus der nächstliegenden Standardgröße, auf deine Körpergröße und Umfänge skaliert, und du kannst jedes davon verfeinern, während das Schnittmuster sofort neu gezeichnet wird. Wie das funktioniert, erklärt die Seite Schnittmuster nach Maß.
Häufige Fehler
- Nach Konfektionsgröße wählen. Vergleiche jedes Mal die Maße.
- Einen Rock nach der Brustweite wählen. Kleidung für den Unterkörper wählst du nach der Hüftweite.
- Kleiner nähen, weil das Schnittmuster groß aussieht. Die zusätzliche Weite kann gewollte Bewegungszugabe sein. Prüfe zuerst die Fertigmaße.
- Nur ein Teil angleichen. Dann passt das Rückenteil nicht mehr zum Vorderteil. Gleiche jedes Teil an, das an derselben Naht liegt.
- Die Körpergröße ignorieren. Die richtige Weite in der falschen Länge sieht trotzdem falsch aus; passe auch die Längen an.