Definition
Eine offene Schnittkante ist die unversäuberte, geschnittene Kante eines Stoffteils, die bei Webware ausfransen und sich bei Maschenware einrollen kann, bis sie versäubert, eingeschlossen oder gesäumt wird.
Anleitungen sprechen ständig von offenen Kanten: „offene Kanten bündig aufeinander“, „die offene Kante 1 cm nach innen umschlagen“, „die offenen Kanten versäubern“. Der Begriff unterscheidet eine Schnittkante von einer fertigen, etwa einem Saum, einem Bruch, einer Webkante oder einer eingefassten Kante.
Was mit offenen Kanten passiert:
- Webstoffe fransen aus. Fäden lösen sich entlang der Kante, langsam bei fester Baumwolle, schnell bei Leinen, Viskose und lockeren Geweben. Eine Nahtversäuberung oder eine geschlossene Naht stoppt das.
- Maschenware franst nicht aus, kann sich aber einrollen, wie Jersey, oder von einem Ende aus Laufmaschen bilden. Sie bleibt innen oft offen oder wird der Ordnung halber versäubert.
- Filz, Fleece, Leder und Walkstoff haben keine Fäden, die sich lösen, und können absichtlich offen bleiben.
Offene Kanten können auch ein Gestaltungsmittel sein: ausgefranste Jeanssäume, offenkantige Jerseysäume, Applikationen mit offener Kante und Leinenservietten mit Fransen.
Werden Teile mit bündigen offenen Kanten zusammengenäht, leg sie genau aufeinander, denn die Nahtzugabe wird von dieser Kante aus gemessen. Geh mit offenen Kanten, die gerundet oder im schrägen Fadenlauf geschnitten sind, behutsam um, denn sie dehnen sich.
Bei stark ausfransenden Stoffen versäubern viele Nähende die Kanten jedes Teils gleich nach dem Zuschneiden im Zickzack oder mit der Overlock, noch vor dem Zusammennähen, damit die Nahtzugaben Bearbeitung und Anprobe überstehen.