Eine gefütterte Stofftasche mit Boxecken besteht aus zwei Außen- und zwei Futterrechtecken, bei denen jeweils an den unteren Ecken ein kleines Quadrat ausgeschnitten ist, dazu zwei Henkel und eine Innentasche. Du nähst Außenstoff und Futter zu zwei getrennten Taschen, drückst jede Ecke flach und nähst sie zu, damit die Tasche ihre Tiefe bekommt, steckst die eine Tasche in die andere, die Henkel dazwischen, nähst rundherum an der Oberkante und wendest alles durch eine Öffnung im Futter. Eine Tasche von 40 × 38 × 10 cm schaffst du an einem Nachmittag.

Die Schnittteile in Größe EU 38 / US 6, gezeichnet von der Konstruktions-Engine von Sewly (Nahtzugaben inklusive). Stofftasche →

Wie geben Boxecken einer Tasche ihre Tiefe?

Die Tiefe entsteht durch die ausgeschnittenen Ecken. Jedes Schnittteil ist so breit wie die fertige Tasche plus die Tiefe und so hoch wie die fertige Tasche plus die halbe Tiefe. An jeder unteren Ecke wird ein Quadrat ausgeschnitten, dessen Seitenlänge der halben Tiefe entspricht. Sind Seiten- und Bodennaht genäht, drückst du jede Ecke so flach, dass die Seitennaht auf der Bodennaht liegt: Die Öffnung wird zu einer geraden Kante, die genau so lang ist wie die Tiefe, und wenn du sie quer abnähst, entsteht ein rechteckiger Boden.

Für eine Tasche von 40 cm Breite, 38 cm Höhe und 10 cm Tiefe misst jedes Teil an der Nählinie 50 × 43 cm, und an den unteren Ecken werden Quadrate von 5 cm ausgeschnitten.

Fertige Tasche (B × H × T)Teil an der NählinieEckquadrat
Büchertasche, 35 × 40 × 6 cm41 × 43 cm3 cm
Alltagstasche, 40 × 38 × 10 cm50 × 43 cm5 cm
Markt- oder Strandtasche, 50 × 40 × 15 cm65 × 47,5 cm7,5 cm

Die Quadrate vor dem Nähen auszuschneiden, ist genauer, als erst die Ecke abzunähen und sie danach abzuschneiden, weil die Geometrie vom Schnittmuster festgelegt wird, statt an einer dicken Naht abgemessen zu werden.

Welche Stoffe, und wie viel?

Für außen nimmst du Baumwollcanvas oder Segeltuch von etwa 340 bis 400 g/m², Denim, Dekostoff aus Baumwolle oder gewachste Baumwolle. Fürs Futter lässt sich Patchworkstoff leicht nähen, und mit seinen Mustern wird das Innere zur schönen Überraschung. Eine mittelstarke Bügeleinlage auf den Außenteilen sorgt dafür, dass die Tasche selbst aus Canvas steht; lass sie nur bei sehr schwerem Segeltuch oder Polsterstoff weg.

Für die Alltagsgröße planst du ein:

  • Außenstoff und Henkel: etwa 80 cm Stoff mit mindestens 110 cm Breite.
  • Futter und Innentasche: etwa 50 cm Stoff mit 140 bis 150 cm Breite oder 90 cm bei 110 cm Breite.
  • Einlage: etwa 1 m mittelstarke Bügeleinlage.
  • Optional: ein Magnetverschluss.

Nimm für Canvas eine Jeansnadel der Stärke 90 oder 100 und zum Absteppen eine längere Stichlänge von 3 bis 3,5 mm. Der Beitrag zu Nadeln und Garn nennt die Details für jeden Stoff.

Wie lang sollten die Henkel einer Stofftasche sein?

Die Henkellänge entscheidet, wie die Tasche getragen wird:

  • In der Hand: 35 bis 45 cm.
  • Über der Schulter: 60 bis 70 cm, das reicht auch über einen Wintermantel.
  • Quer über dem Körper: 110 bis 120 cm.

Jeder Henkel ist ein Streifen, der vierlagig auf etwa 3,5 cm Breite gefaltet wird, mit 3 cm zusätzlicher Länge, die in die obere Naht gefasst wird. Setz die Henkelenden etwa 12 cm von jeder Seitennaht entfernt an, damit die Tasche gerade hängt.

In welcher Reihenfolge nähst du eine gefütterte Tasche?

  1. Vorwaschen: den Canvas, der einlaufen kann, und das Futter. Schneide zwei Außenteile, zwei Futterteile, zwei Henkel und eine Innentasche zu.
  2. Einlage aufbügeln auf die Außenteile.
  3. Henkel nähen. Bügle jeden Streifen der Länge nach zur Hälfte, öffne ihn, bügle beide Längskanten zur Mittelfalte, falte erneut und steppe beide Längskanten ab.
  4. Innentasche. Falte sie rechts auf rechts, näh rundherum und lass dabei eine Wendeöffnung, wende und bügle sie. Steppe sie etwa 8 cm unter der Oberkante auf ein Futterteil; eine senkrechte Steppnaht ergibt ein Stiftfach.
  5. Magnetverschluss, falls gewünscht: mittig in die Futterteile setzen, etwa 4 cm unter der oberen Nählinie, mit einem Stück Einlage hinter jeder Hälfte.
  6. Seiten und Boden. Näh die Außenteile rechts auf rechts an den Seiten und am Boden zusammen. Genauso beim Futter, aber mit einer Wendeöffnung von 12 bis 15 cm in der Bodennaht.
  7. Boxecken nähen, bei beiden Taschen: flach drücken, Nähte aufeinanderlegen, feststecken und gerade quer abnähen.
  8. Henkel anheften, rechts auf rechts an der Außentasche, die Enden bündig mit der Oberkante; prüf dabei, dass sie nicht verdreht sind.
  9. Außentasche und Futter verbinden. Wende die Außentasche auf rechts und steck sie in das Futter, sodass die rechten Seiten aufeinanderliegen. Leg die Seitennähte aufeinander und näh rundherum an der Oberkante.
  10. Wenden: die Tasche durch die Öffnung im Futter ziehen, dann die Öffnung knappkantig mit der Maschine oder von Hand mit dem Matratzenstich schließen.
  11. Absteppen: rundherum 3 bis 5 mm von der Oberkante entfernt, nachdem du das Futter etwas nach innen gerollt hast.
  12. Bügeln.

Die obere Naht ist die dickste Stelle, denn dort liegen Henkel, Außenstoff, Futter und Einlage übereinander. Näh sie langsam, und nutz an den Seitennähten die Technik aus der Anleitung zum Nähen gerader Nähte und Wenden an Ecken.

Wie verhinderst du, dass eine Stofftasche durchhängt?

  • Verstärk den Außenstoff mit Einlage, selbst wenn er sich auf dem Ballen steif anfühlt.
  • Näh Boxecken: Ein flacher Boden trägt Gewicht besser als eine flache Tasche.
  • Sichere die Henkel dort, wo sie auf die Oberkante treffen, mit einem abgesteppten Kästchen mit Kreuz.
  • Leg einen herausnehmbaren Boden ein: ein Rechteck aus fester Pappe oder Kunststoffgitter in der Größe des Bodens, das du in die Tasche schiebst.

Kann Sewly eine Tasche in deinen Maßen konstruieren?

Sewlys Schnittmuster für die Stofftasche nimmt Breite, Höhe, Tiefe und Henkellänge als einfache Zahlen und zeichnet Außen- und Futterteile mit bereits ausgeschnittenen Eckquadraten. Futter, Innentasche und Magnetverschluss lassen sich jeweils ein- oder ausschalten, und Henkel und Innentasche werden als Zuschneidemaße angegeben statt als gedruckte Seiten.